Weltpilgertag 2026
St. Jakobus-Gesellschaft Rheinland-Pfalz-Saarland e.V.
von Marita Setz

Hinauf zum Berg Sion, dem heiligen Berg der Lothringer!
vom 23. bis 26.07.2026
Auf dem Hügel von Sion-Vaudémont in Lothringen
Organisation: „Les amis de Saint Jacques de Compostelle“ der Region Lorraine.
Bericht: Marita Setz
1. Tag: Donnerstag, 23.07.2026
An dem diesjährigen Treffen nahmen rund 60 Pilger aus Rheinland-Pfalz, dem Saarland, aus Burgund, dem Elsass, der Franche-Comté sowie Lothringen teil.
Die Gastgeber waren die „Les amis de Saint Jacques de Compostelle“ der Region Lothringen.
Schon bei der Anfahrt erkannte man von weitem den 500 m hohen, heiligen Berg der Lothringer. Die markante Basilique Notre-Dame de Sion zeigte das Ziel an.
Dort empfingen der Präsident Jacques Bourcier und die Vizepräsidentin Claudine Perri die ankommenden Pilger recht herzlich.
Sie wurden begrüßt mit den Worten: „Ist denn schon wieder ein Jahr vorbei?“
Es ist wie ein Nachhause kommen zu Freunden!

Birgit Heinrich und Christine Perri
Beim Aperitif wurde das Wiedersehen gefeiert. Dazu wurden leckere Spezialitäten der Region angeboten.

Am Abend konnte man sich bei einem „Klang Bad“ in der Basilika von den Strapazen der Anreise erholen und zur Ruhe kommen.
2. Tag: Freitag, 24.07.2026
Direkt nach dem Frühstück wurde die Gruppe mit dem Bus in das 20 km entfernte Mirecourt gebracht, das westlich der Vogesen liegt.
Zuerst besichtigten die Teilnehmer das Maison de la Musique Mécanique/Museum für mechanische Musikinstrumente.
Eine der schönsten Sammlungen von Orgeln, Pianolas und anderen Spiel- und Orgelinstrumenten Frankreichs wird hier ausgestellt.
Die Geschichte der Familie Poirot, eine berühmte Orgelbauerfamilie aus dem Ort, wird gezeigt.
Was zunächst sehr technisch wirkte, wurde durch die Museumsführerin zum Leben erweckt. Mit großem Elan und ausladenden Gesten betätigte sie ausgewählte Musikinstrumente aus verschiedenen Epochen.
Dadurch war die Führung sehr kurzweilig, zumal auch die Besucher an einer Drehorgel ihr Geschick probieren durften.


Daran schloss sich der Besuch des Musée de la lutherie et de l’archèterie française/Geigenbaumuseums an.
Die deutschen Gäste erfuhren zu ihrer Überraschung, dass hier in Mirecourt die historische Wiege des französischen Geigenbaus liegt.
Bis heute sind hier gefertigte Geigen und Bögen über die Landesgrenzen hinweg unter Kennern bekannt.

Gezeigt werden Streich- und Zupfinstrumente sowie Geigenbögen, die zum Teil 300 Jahre alt sind.
Die hiesige Geigenbauschule École Nationale de Lutherie ist die wichtigste und einzige staatliche Fachschule für den Bau von Streichquartett-Instrumenten (Geige, Bratsche, Cello). Dazu dient das Museum als außerschulischer Lernort.


Nach einer ausgedehnten Mittagspause ging es zu Fuß weiter in das Nachbardorf Mattaincourt.
Dieser Spaziergang verlief überwiegend durch den Wald entlang des Flusses Madon. Es wurden ausreichend Trinkpausen eingelegt, um bei den hohen Temperaturen das Ziel zu erreichen: die Basilique Saint Pierre Fourier

Die Pilger genossen die Kühle im Innern der Basilika.
Das erste, was dem Besucher beim Betreten auffiel, waren die filigranen, schmiedeeisernen Rückenlehnen der Bänke.

Ein Gästeführer erzählte die Geschichte des Namensgebers Pierre Fourier. Dieser wurde 1589 in Trier zum Priester geweiht und wirkte ab 1597 mehrere Jahrzehnte an diesem Ort.
Seine karitativen und sozialen Tätigkeiten waren vorbildlich. Bahnbrechend für seine Zeit war die erste Errichtung einer schulgeldfreien Mädchenschule, die armen Mädchen den Zugang zu Bildung ermöglichte. Sein Leitspruch lautete: omnibus prodesse, obesse nemini (allen nützen, niemandem schaden).
An die Erklärung des Kirchenraumes schloss sich eine Gebetszeit an, die der örtliche Pfarrer gestaltete.

Danach erfolgte die Rückkehr mit dem Bus.
Nach dem Abendessen konnte man in der Basilique Notre-Dame de Sion an einem Abendgebet teilnehmen.
Oder man nutzte die Gelegenheit, bei einem Spaziergang den angestrahlten Kirchturm zu bestaunen und den Sonnenuntergang zu beobachten.

Dann spürte man, dass der heilige Berg der Lothringer ein ganz besonderer Ort ist.

3. Tag: Samstag, 25.07.2026 Jakobustag
Mit dem Bus ging es an diesem Tag nach Bruley, in das Herzstück der Weinregion Côtes de Toul. Die französischen Freunde meinten augenzwinkernd, dass wir in die Hölle fahren. In der Tat war es wieder sehr heiß an diesem Tag.
Obwohl es ein kleines Dorf ist, besitzt es ein besonderes architektonisches und religiöses Erbe. Florence, die Gästeführerin, wurde in diesem Ort geboren.
Ihre persönlichen Schilderungen über das Leben in einem typisch lothringischen Weindorf waren sehr authentisch.

Mitten in den Weinbergen liegen eine Lourdes-Grotte und eine wunderschöne Rosenkranzkapelle/Chapelle du Rosaire aus dem 19. Jahrhundert.
Der Architekt baute die Grotte von Lourdes detailgetreu nach. Somit blieb es den Menschen damals erspart, den weiten Weg nach Lourdes zu pilgern.

Hoch über dem Dorf liegt eine romanische Kirche aus dem 12. Jahrhundert.
Von hier aus hat man eine herrliche Aussicht. Dieses winzige Gotteshaus steht mitten auf einem Friedhof.

Auf Wunsch einer Teilnehmerin zeigte die Gästeführerin Florence das Grab ihrer Mutter.
Die Grabinschrift “Soyez des artisans de PAIX et des semeurs de JOIE“
(Seid Werkzeuge des FRIEDENS und Überbringer der FREUDE“)
brachte die Zuhörer zum Nachdenken.

Dieser Satz könnte das Motto des diesjährigen Weltpilgertages sein!
Die französischen Jakobspilger ermöglichten mit ihrem Engagement dieses Treffen zwischen zwei Nationen und haben damit ein Zeichen des Friedens gesetzt.
Sie bereiteten ihren Gästen eine große Freude, von der noch lange im Familien- und Bekanntenkreis gesprochen wird.
Anschließend wanderte die Gruppe in der Mittagshitze durch die Weinberge und entlang der für Lothringen typischen Mirabellenbäumen in das Nachbardorf Lucey.
Bei dem einen oder anderen Pilger kamen die Erinnerungen an die Pilgerwege in Spanien.

In Lucey wartete die Gruppe vor einem unscheinbar wirkenden Haus in einer für Lothringen typischen Häuserreihe.
Dahinter ist das Maison Lorraine de Polyculture, ein Museum für Heimatkunde und Landwirtschaftsgeschichte der Côtes de Toul eingerichtet.

Es war unbeschreiblich, was sich hinter der schmalen Fassade verbarg.
Das nach hinten lange Haus zeigte auf mehreren Ebenen historische Arbeitsgeräte aus der Landwirtschaft.
Neben den Informationen über den Weinbau waren vor allem jene über den Hopfen- und Hanfanbau in der Region sehr interessant.

Im Garten des Hauses werden auf kleinstem Raum verschiedene Rebsorten, Hanf und Hopfen angebaut.
Es ist ein lebendiges Dorfmuseum, in dem die Kinder spielerisch das Leben von Früher nachempfinden können.

Nach dem Spaziergang durch die Weinberge und dem Besuch des Museums schloss sich als Höhepunkt die Weinprobe bei einem der nur 14 Winzerbetriebe der Region Côtes de Toul an.
Noch ein Geheimtipp unter den Weinliebhabern.

Am Abend dieses ereignisreichen Tages konnte man bei einem Konzert in der Basilique Notre-Dame de Sion die Bilder Revue passieren lassen.
Die lothringischen Jakobspilger Patrice am Piano, Clotilde an der Querflöte, Frédérique am Violoncello sowie die Sängerin Myriam boten ein erstklassiges Konzert vom Feinsten.


4. Tag: Sonntag, 26.07.2026
Der Höhepunkt des Weltpilgertages ist alljährlich das Festhochamt zu Ehren des heiligen Jakobus.
Eine Gruppe von Männern und Frauen war gewandet als mittelalterliche Jakobspilger. Vier Pilger trugen eine Jakobusstatue den Weg hinauf zur Basilika. Der lothringische Pilger Philippe Richard gestaltete diese Jakobusfigur.

Ihnen folgten in einer Prozession nahezu 100 Gläubige. Etliche Pilger waren extra für diesen Gottesdienst von Nah und Fern angereist.


Vor der Basilika wurden sie vom Bischof von Nancy und Toul Monseigneur Pierre-Yves Michel erwartet.
Für die Pilger bedeutete es eine große Ehre, dass sich der Bischof die Zeit nahm, diese Messe zu zelebrieren.

Mit einem großen Einzug ging es um 10.00 Uhr in die voll besetzte Basilika.
Die Musiker des Vorabendkonzertes gaben mit ihrer Darbietung dem Gottesdienst einen festlichen Rahmen.

Wie es sich gehört, wurde nach dem Gottesdienst bei einem Festmahl ausgiebig gefeiert.

Das war auch die Gelegenheit, sich bei den Gastgebern herzlichst zu bedanken.
Birgit Heinrich, die Präsidentin der St. Jakobus-Gesellschaft Rheinland-Pfalz-Saarland e.V. überreichte ein kleines Dankeschön an den Vorstand der Organisation „Les amis de Saint Jacques de Compostelle“ der Region Lorraine.
Ohne das Engagement des Präsidenten Jacques Bourcier sowie der Vizepräsidentin Claudine Perri mit den mehr als 15 Helfern wäre dieser Weltpilgertag nicht möglich gewesen.

Täglich kümmerten sie sich um das Frühstück, die Lunchpakete und das warme, mehrgängige Abendessen, um nur einige Tätigkeiten zu nennen.
Sie gestalteten ein vielseitiges Programm, das alle Sinne ansprach.
Birgit Heinrich wurde ständig als Übersetzerin gefragt. Vor allem Museumsbesuche gestalteten sich sehr strapazierend für sie, weil es Fachbegriffe oder technische Abläufe zu übersetzen galt. Auf diese Weise trug sie sehr zum Gelingen dieses Treffens bei.
Zwischen den Programmpunkten gab es ausreichend Gelegenheiten zum Plaudern.


Vermutlich redeten diese Spaziergänger über den Weltpilgertag 2027 im Elsass.

Das Treffen am Weltpilgertag 2026 hat mal wieder gezeigt, was Jakobspilger bewirken:
Sie setzen sich für den Frieden unter den Völkern ein und überbringen Freude!
Soyez des artisans de PAIX et des semeurs de JOIE

Mit wehmütigen Herzen trennten sich die Wege der Jakobspilger,
aber mit der Hoffnung des Wiedersehens
am Weltpilgertag 2027
im Elsass!
Text: Marita Setz, Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit//Mitgliederinformation der St. Jakobus-Gesellschaft Rheinland-Pfalz-Saarland e.V.
Fotos: Gerhard Jendryschik u. Marita Setz

